Meet Magento Association - Was steckt hinter dem Meet Magento Netzwerk

Interview mit Thomas Goletz - Vorstand der Meet Magento Association

In der Interview-Reihe „igniti fragt nach“ beleuchten wir alle Themen rund um die Digitalisierung. In Expertengesprächen zeigt Janine Poser, Head of E-Commerce, Trends und ungenutzte Möglichkeiten auf und entlockt ihren Gesprächspartnern den ein oder anderen spannenden Tipp, um sich in der digitalen Welt zu behaupten.

Thomas Goletz – Vorstand der Meet Magento Association im Expertengespräch mit Marc Hörmann (Head of E-Commerce Solutions, igniti GmbH) über die  Meet Magento Association und deren Netzwerk

Marc Hörmann:
Hallo und willkommen zu „igniti fragt nach“. Mein Name ist Marc Hörmann, ich bin Head of E-Commerce Solutions Magento bei der igniti GmbH aus Jena und heute sind wir zu Gast bei der Meet Magento in Leipzig. Bei uns ist der Thomas. Thomas, kannst kurz ein paar einleitende Worte zu dir sagen?

Thomas Goletz:
Ich bin der Thomas Goletz. Ich bin seit 2,5 Jahren der Präsident, oder der Vorstand der Meet Magento Association und kümmere mich darum, dass wir von Deutschland und Europa aus das komplette Meet-Magento-Netzwerk an Konferenzen, aber auch anderen Aktivitäten und Partneraktivitäten von Deutschland aus betreuen und managen mit meinem Team hier.

Marc Hörmann:
Der Unterschied der Meet Magento zur Meet Magento Association ist sicherlich nicht jedem sofort ersichtlich. Was genau ist Eure Aufgabe im Magento-Umfeld?

Thomas Goletz:
Das ist eine interessante Frage, weil für uns ist es eigentlich eins. Die Meet Magento Association ist der Träger für alle Meet Magentos weltweit. Das heißt, wir haben hier in diesem Jahr vermutlich fast 50 Konferenzen und damit ein internationales Konferenznetzwerk, was wir von der Association aus entwickeln, unterstützen und betreiben. Das bedeutet, Meet Magento als Konferenz und Meet Magento Association ist eigentlich eins. Es gehört zusammen, es ist untrennbar miteinander verbunden. Viele kennen ja die Geschichte von Meet Magento, wie das Ganze angefangen hat 2009: durch Agenturen oder Einzelpersonen in Holland und Deutschland getragen und vorangebracht. Und damit stand Meet Magento immer in diesem Spannungsfeld, dass eine Agentur, die im Markt ja auch Wettbewerber ist, für die anderen eines der führenden Magento-Events ausrichtet. Und durch diese Trennung, zu sagen, wir machen daraus eine Non-Profit-Organisation, die nach europäischem und deutschem Recht in Deutschland angesiedelt ist, die nun praktisch weltweit das Meet-Magento-Thema entwickelt, das war vor 2,5 Jahren ein ganz entscheidender Schritt. Für viele ist das nicht ganz klar, weil sie sehen die Meet Magento in Deutschland und in Holland erstmal als singuläre Events, die von irgendjemandem ausgerichtet werden. In Wahrheit ist es aber so, dass dahinter ein Verbund, ein Netzwerk von Organizern stehen, die zum größten Teil in ehrenamtlicher Arbeit diese Events aufsetzen und vorantreiben. Genauso ist es in Deutschland, und dahinter steht als Rahmen, als Struktur die Association, die den Organizern hilft, das Event zu organisieren; die ihnen hilft, diese globale Ausdehnung zu nutzen und die auf der anderen Seite das Interface in Richtung Magento ist.

Marc Hörmann:
Vielen Dank, Thomas. Du hast eben schon erwähnt, dass ihr eine Nonprofit Organization seid: Jetzt ist es ja so, dass eure Partnerliste mittlerweile rund 50 Unternehmen umfasst. Darunter jetzt auch die igniti als Silberpartner, worüber wir uns sehr freuen. Welchen Stellenwert nehmen die Partner für euch denn ein?

Thomas Goletz:
Die Partner sind eminent wichtig. Du hast gerade eine Liste aufgeführt von deutschen Partnern, dieses Partnerprogramm entwickelt sich gerade weltweit. Das heißt, nicht nur in Deutschland, sondern in Holland, in Spanien, in Italien, in Brasilien, in Argentinien, selbst in China entsteht im Augenblick so eine Gruppierung von Partnern. Genau das ist der Gedanke hinter dem Meet Magento Partnerprogramm: wir konkurrieren nicht mit dem Magento Partnerprogramm, sondern das ist sogar gezielt mit Magento abgestimmt, dass diejenigen Unternehmen, die keine offiziellen Magento Partner werden können oder wollen in das Meet Magento Partnerprogramm kommen. In Deutschland haben wir damit angefangen vor 1,5 Jahren. Wir sind auch überrascht von dem Zuspruch, den wir hier bekommen. Dieser Zuspruch ist gleichzeitig auch eine Verpflichtung. Weil: Was bekommt denn der Partner von der Meet Magento Association? Klar kriegt er ein Partnerlogo, aber davon kann man sich erstmal nicht viel kaufen. Sondern das Wichtige ist, dass wir den Partnern hier eine Bühne bieten, dass sie sich untereinander austauschen können. Dass sie zum Zweiten ein besseres Marktverständnis bekommen, was in Deutschland passiert, aber auch, was in anderen Ländern passiert. Wir sehen das gerade: Wir gehen in zehn Tagen nach China zur ersten Meet Magento in China und es werden vier von den Meet Magento Partnern mitkommen und werden dort ganz klar Gespräche führen können mit potentiellen Kunden, die aus China nach Europa, nach Deutschland kommen wollen.
Das sind genau diese Dinge, die wir spüren, diese Aspekte, diese Leistung, die wir spüren, die Meet Magento bieten kann. Wir sind eine lokale Organisation, aber gleichzeitig eine globale Organisation. Und diesen Vorteil, dieses Netzwerk wollen wir an die Partner weitergeben und wünschen auch, dass sie sich das aktiv nutzen. Ich habe vorhin kurz über die Zahlen gesprochen. Es gibt hunderte von Firmen, die eben nicht Meet Magento Partner werden. Aber die Meet Magento Partner, so wie igniti und auch andere, die helfen uns, dass wir die Association auch betreiben können. Sie geben uns auch das Momentum, sie geben uns die Energie, sie geben uns die Informationen. Sie geben uns auch den Druck, dass sich diese Association weiterentwickelt.

Marc Hörmann:
Jetzt ist die Frage, wie ihr euch intern organisiert. Wie du gerade erwähnt hast, habt ihr rund um den Globus Partner verteilt. Wie kann man sich die Absprachen vorstellen? Gibt es da irgendwelche Best Practices, die ihr euch da erarbeitet habt?

Thomas Goletz:
Ja, wir sprechen ja hier von einem relativ freien Netzwerk, einer freien Struktur. Wir haben hier in Deutschland, in Leipzig, ein Kernteam, das aus drei Leuten besteht, die diese ganzen Aktivitäten weltweit koordinieren, die den Organizern helfen, ihre Events zu organisieren. Wir haben auf der anderen Seite inzwischen ein Team von acht Vizepräsidenten, die uns unterstützen, dass wir Meet Magento auf den Events vorstellen können. Man kann sich denken, bei 40 Konferenzen weltweit ist es nicht mehr möglich, dass wir praktisch diese Konferenzen bereisen. Das geht schon rein aus dem Budget nicht. Jede Reise kostet drei-/viertausend Euro. Wenn man das alles zusammennimmt mit Arbeitskosten, das Budget hat die Association nicht, um alle diese Events zu beschicken. Nun sind wir darauf angewiesen, dass wir Persönlichkeiten haben, die auf der einen Seite wiederum einen Teil ihrer Freizeit zur Verfügung stellen, um zu diesen Events zu gehen und die Association vorzustellen. Und jeder investiert Zeit, er investiert Wissen und Knowhow, bekommt auf der anderen Seite aber etwas zurück [… als] wenn er alleine nur in Griechenland, nur in Dänemark oder nur in Deutschland wäre. Weil Meet Magento ist ja weltweit präsent. Und damit kommen wir zu einer Struktur: Es gibt dafür viele Bücher, die darüber schreiben, über virtuelle Firmen, über intelligente Supply Chains, wie auch immer. Uns geht es einfach so, dass wir in jedem Land, wo wir aktiv sind einen Partner suchen, dem wir vertrauen und der das Mindset, das wir haben – die Werte, auch die Fairness praktisch teilt. Und wenn wir diesen Partner gefunden haben, dann können wir dort eine Meet Magento machen. Und damit lagern wir einen Teil der Arbeit, der Verantwortung, des Managements, aber auch des Machens an diese Partner aus.

Marc Hörmann:
Magento ist ja nun mittlerweile mehr als nur ein Shopsystem. Die Commerce Suite ist neben der Cloudlösung, dem Order Management System und der Business Intelligence Lösung vorhanden. Seid Ihr hier generell in die Magento-Fortschritte involviert?

Thomas Goletz:
In eine Produktentwicklung oder in eine Entwicklung von Features sind wir nicht eingebunden. Wir kommen ja von der anderen Seite her. Von den Anwendern, von den Agenturen, von den Leuten, die Entwicklung damit treiben. Wir liefern aber sehr viele Informationen aus den verschiedenen Märkten. Und ein Markt in Vietnam oder ein Markt in Brasilien ist eben komplett anders wie ein deutscher Markt. Auch wenn man in Deutschland häufig glaubt, man ist der Nabel der Welt, was Magento betrifft. Aber es gibt viele andere Märkte, die andere Anforderungen haben. Und genau das sind die Informationen, die wir zu Magento bringen. Und wir stellen auch für Magento den kurzen Weg dar, in den Markt hineinzukommen. Wenn man sich Magento anschaut, hat man einen sehr starken Vertrieb in den Bereich Enterprise hinein. Wenn man sich anschaut, was passiert im Bereich Community Edition, dann ist das anteilsmäßig von den Köpfen, die dafür arbeiten erheblich kleiner als das, was wir weltweit sehen für das Thema Enterprise. Und genau das, was dort fehlt, das ersetzt teilweise die Meet Magento Association. Insofern haben wir dort eine sehr enge Beziehung mit Magento. Wir sprechen auch gerne darüber „Wo müsste man dort was machen“, „Wo müssten wir verstärkt aktiv werden“, um das Bild zu vervollständigen, das Magento bekommt. Und das ist auch diese Partnerschaft, die wir mit Magento haben, wo wir inzwischen in den letzten beiden Jahren in ein Win-Win hineingekommen sind, was vor 3, 4 oder 5 Jahren noch nicht so gewesen ist.

Marc Hörmann:
Abschließende Frage an dich, Thomas: Wir sind gerade mitten in 2017. Wir sind gespannt, ob die prognostizierten Trends, die letztes Jahr prognostiziert wurden auch eintreffen. Zum Beispiel der Cyber Monday oder der Black Friday, ob die sich zu einem Cyber November zusammenschließen. Ob sich die KI komplett durchsetzt in Form von Chatbots. Jetzt darfst du mal in die Glaskugel schauen und sagen, was du denkst, was 2018 das neue „Next big thing“ wird.

Thomas Goletz:
(lachend) Ich kann das gar nicht. Das Interessante ist, diese Fragen über Trends oder das nächste Killer-Feature oder die nächste Strategie – die kommt in jedem Land. Und in jedem Land ist die Antwort anders. Und wenn ich auf die verschiedenen Meet Magentos gehe und dort sowohl mit Händlern, mit Herstellern, mit Entwicklern spreche, dann hat jeder natürlich die Frage „Ja, was seht denn ihr von Meet Magento aus, was passiert?“. Und es gibt darauf keine mögliche Antwort. Das, was wir sehen, was noch wichtiger werden wird als in den letzten zehn Jahren, ist eine globale Zusammenarbeit. Wir haben im Augenblick eine Zeit, in der wir von der Gesellschaft her von einer, wie ich glaube, sehr glücklichen Zeit kommen mit sehr viel Frieden, mit sehr viel Freiheit. Und wir sehen im Augenblick, dass es viele verschiedene Trends gibt weltweit, wo es sich wieder ein bisschen abkapselt in die Länder hinein, wo man darüber diskutiert „Gibt es nun auf einmal Handelsbarrieren?“, „Ziehen wir wieder Grenzen?“. Wir sehen das in der EU. Wir sehen das in der Richtung USA. Wir erleben das schon länger mit Russland, mit Sanktionen. Das sind eminente Fragen, die den E-Commerce direkt betreffen, weil der E-Commerce ist per se grenzüberschreitend. Wenn man mit Händlern wirklich spricht, dann kannst du gerne über Features sprechen oder was auch immer, aber das [die Grenzüberschreitung] ist die Grundlage des Geschäftes, was wo und wie läuft. Das ist etwas, das werden wir im nächsten Jahr 2018 sehr stark sehen. Ich glaube, dass die Sorgen, wie sich die Handelslandschaft entwickeln wird in einem europäischen und einem weltweiten Maßstab, das wird 2018 eine ganz wichtige Frage werden. Weil auch in 2018 werden in Europa und in anderen Ländern politisch die Weichen dafür gestellt. Und hinter dem werden alle anderen Dinge zurücktreten.

Marc Hörmann:
Thomas, herzlichen Dank, dass du uns hier so ausführlich geantwortet hast. Wir freuen uns natürlich auf eine erfolgreiche Partnerschaft.