Spryker Commerce OS für
kundenzentrische Lösungen

Interview mit Boris Lokschin - Co-CEO von Spryker

In der Interview-Reihe „igniti fragt nach“ beleuchten wir alle Themen rund um die Digitalisierung. In Expertengesprächen zeigt Janine Poser, Head of E-Commerce, Trends und ungenutzte Möglichkeiten auf und entlockt ihren Gesprächspartnern den ein oder anderen spannenden Tipp, um sich in der digitalen Welt zu behaupten.

Boris Lokschin – Co-CEO von Spryker Systems im Expertengespräch mit Janine Poser (Head of E-Commerce, igniti GmbH) über das Spryker Commerce OS und warum es weit mehr als ein Shopsystem ist.

Janine Poser:
Herzlich willkommen Boris Lokschin, zu unserer Interviewreihe rund um das Thema E-Commerce 3.0. Kannst du dich bitte einmal kurz vorstellen und etwas zu dir und deiner Company sagen.

Boris Lokschin:
Hallo und danke für die Einladung. Ich bin Boris Lokschin, Co-CEO von Spryker Systems. Wir sind ein Commerce Technologie Hersteller aus Berlin und bauen das Spryker Commerce Operating System, also ein Betriebssystem für Commerce.

Janine Poser:
Ihr seid mit Spryker als E-Commerce-Framework gestartet. Mittlerweile seht Ihr Euer Produkt als Betriebssystem. Was bewog Euch zu dem Schritt? Hat sich das aus der Entwicklung heraus so ergeben oder habt Ihr komplett neu umstrukturiert?

Boris Lokschin:
Nein, im Wesentlichen ist es eine Weiterentwicklung. Wir haben gemeinsam mit unseren Kunden gelernt, welche Anwendungsfälle relevant sind und in Zukunft relevant sein werden. Kunden brauchen zunehmend Funktionalitäten, die über das klassische Shop-Frontend hinausgehen.
Der Desktop ist Historie, zunehmend haben Kunden auch mobile Lösungen im Einsatz. Ich glaube, viele Kunden sind in den meisten Verticals schon sehr ambitioniert und schauen nach vorne. Sie überlegen, was für Anwendungsfälle kann ich mit Voice machen, welche Customer Service Touchpoints gibt es mit Bots, was ist spannend im Bereich Blockchains, Social oder IoT und von daher haben wir jetzt technologisch den nächsten Schritt gemacht. Wir versuchen, die Assets, die wir vorher hatten, weiter zu nutzen, aber auch neue Anwendungsfälle zu enablen, mit dem was wir heute Apps nennen.

Janine Poser:
Ihr steht im E-Commerce natürlich in großer Konkurrenz: Magento, heute hier anwesend sowie Hybris oder Shopware. Im Großen und Ganzen nehmen sich die Systeme alle nicht besonders viel, skalieren aber unterschiedlich. Wofür eignet sich Spryker besonders, bzw. wo positioniert Ihr Euch?

Boris Lokschin:
Als erstes ist hier das sehr fanatische „vom Kunden denken“ zu nennen. Es geht uns nicht um systemische Gedanken, wie “Welche Feature bau ich in das System und welche weiteren Tools muss ich dazu kaufen oder dazu bauen“. Es geht uns auch nicht darum, etwas zu kombinieren, in einer Art von Suite. Es geht uns darum, was für ein Anwendungsfall macht Sinn für den jeweiligen Händler des Kunden und welche Touchpoints hat er heute, welche Touchpoints hat der Kunde vielleicht morgen oder übermorgen. E-Commerce wird zunehmend komplexer. Ich glaube, es ist sehr, sehr viel Druck im Markt. Amazon und andere Market Places nehmen vielen Händlern sehr, sehr viel Raum. Es gibt viele erfolgreiche tech- und datenaffine Unternehmen, die es tatsächlich verstanden haben, am Kunden entlang sich Dinge auszudenken, zu innovieren und wirklich Customer Acquisition und Retention zu beherrschen. Ich glaube, das ist ein großer Schwerpunkt – dieses „vom Kunden denken“, „in Apps denken“, in Kundenanwendungsfällen denken. Es geht uns nicht darum, das funktionsreichste System zu bauen, also einfach mehr Standardfeatures in den klassischen Shop einzubauen, sondern Spryker geht deutlich weiter als klassische Shopsysteme. Wie vorhin gesagt: in Anwendungsfälle, die viele andere heute gar nicht erst abdecken. Es geht auch nicht darum, die größtmögliche Compliance mit zum Beispiel irgendeiner Warenwirtschaftslösung, SAP, etc. zu schaffen.
Es geht darum: „Wie stell ich sicher, dass ein Händler, ein Kunde maximal schnell, maximal lean Anwendungsfälle in Form von Apps am Kunden entlang bauen kann“. Einfach Dinge ausprobieren. Weil wir Trial and Error als die Best Practice im Markt sehen. Wir haben auch festgestellt, dass viele durchaus viel Scheu haben, um so etwas wie Whatsapp, Voice oder aber auch einen Dash Button in ihr Portfolio aufzunehmen, weil sie glauben, dass damit unglaublich viel Entwicklungszeit, Kosten und Komplexität verbunden sind. Das stimmt auch, wenn man versucht, das on top eines Standard Legacy Systems zu tun. Deshalb denken wir eher als Betriebssystem und versuchen, den Bau von Apps auf Basis dieses Betriebssystems zu ermöglichen.

Janine Poser:
Bei der Suche nach Spryker stolpert man häufig über „3. Generation E-Commerce“. Den Begriff habt Ihr geprägt und positioniert Euch auch dort. Wie kommt Ihr darauf und wie ist das gemeint? Was genau ist die zweite Generation E-Commerce und ist die abgelöst?

Boris Lokschin:
Vielleicht die zweite Frage zuerst. Wir sehen tatsächlich den Reifegrad von vielen Händlern sehr unterschiedlich. Es gibt Händler, die in den letzten 10 bis 15 Jahren bereits sehr viel Erfahrung gesammelt haben, manche von Ihnen systemisch sogar zweimal. Diese haben meist vor 15 Jahren mit den ersten Plattformen oder Eigenentwicklungen angefangen und haben in der 2008-2010-Zeit eher auf shopzentrische Modelle gesetzt, bei denen der Shop im Fokus stand. Sie wollen jetzt ihren dritten Entwicklungsschritt gehen. Es gibt aber auch genauso viele, die heute erst starten. Die gar nicht erst diese Lernkurve hinter sich haben. Für uns ist es so, dass wir festgestellt haben, dass E-Commerce sich plattformseitig sehr verändert hat von einer sehr starken ERP-zentrischen Denke in der ersten Generation. Die ersten Modelle mit dem klassischen EDV-Leiter als Einkäufer, sehr viel Fähigkeit in der Warenwirtschaft, sehr einfachen Shops und dennoch sehr teuren Projekten mit einem langen Refinanzierungs-Erwartungszeitpunkt. Hin zu dem, was wir zweite Generation E-Commerce nennen, als es plötzlich nur noch um den Shop ging. Der Shop musste ganz viel können und sehr viele Features haben. Wir sehen jetzt, dass wir in einer Zeit sind, in der man die klassische Shop- und Desktop-Welt verlässt und jenseits von dem reinen Shop als Desktop und Kanal denkt, hin zu weiteren Apps und Interaktionsmöglichkeiten.
Wir versuchen somit das Problem zu lösen, von dem wir glauben, dass es heute und in Zukunft für die meisten relevant ist. Und ich denke, wenn man immer noch ein Geschäftsmodell hat und meint, immer noch in einer sehr desktop-fokussierten Welt und auf Basis von zu konfigurierenden Standard-Features agieren zu müssen, dann wird man sehr glücklich sein, mit den Systemen davor. Das wird man aber nicht, wenn man Category-Leader Ansprüche und Ambitionen hat. Dann wird man zwangsläufig mehr in Daten und Technologie investieren und wahrscheinlich auch mehr bauen.

Janine Poser:
Abschließend würde ich gern noch einen aktuellen Trend aufgreifen: Nachdem nun auch Amazon ins Geschäft der Sprachsysteme eingestiegen ist und die Bewertungen für Alexa durchweg positiv ausfallen, ist die Frage, wann sich der Trend durchweg etablieren wird und welche Stellung er im E-Commerce einnehmen wird. Wie beurteilst du das Ganze?

Boris Lokschin:
Wir glauben, dass Voice ein sehr solides Interface ist, genauso wie Desktop oder eine native App. Wir glauben, dass das super spannend ist und dass damit sehr viele Use Cases enabled werden können, schon heute. Es ist auch deutlich simpler, einen Alexa-Voice Skill zu bauen, als die meisten glauben und ich denke, das gleiche wird auch für Siri oder ein Google-Heimgerät gelten.
Ich glaube, das ist etwas, womit sich viele beschäftigen sollten und ausprobieren sollten, ob es für die jeweilige Kundengruppe Relevanz hat. Es gibt leider keinen anderen Weg. Man muss ausprobieren. Und genau darum geht es, Trial and Error, etwas maximal lean und einfach zu machen und das, was noch an Opportunität nach vorne heraus technisch möglich ist, insbesondere wenn es um den Bereich AI und KI geht. Hier haben wir, glaube ich, noch sehr viele spannende Anwendungsfälle vor uns.

Janine Poser:
Danke für das Interview und einen schönen Tag.